C. Toubartz

Lieber Herr Anders,

seit einiger Zeit schaue ich regelmäßig auf Ihrer Homepage vorbei und lese insbesondere gern Ihre meiner Meinung nach (zumeist) sehr geglückten Kolumnen zu aktuellen Anlässen. Ich hoffe, ich stehle Ihnen keine Zeit, wenn ich Ihnen gern ein paar Zeilen zukommen lassen möchte.

Sie sprechen mir in Ihren Kolumnen oft aus der Seele und ich hoffe, dass die angesprochenen Personen - besser gesagt überhaupt die Leute, die auf uns "kleine Leute" so gern verzichten, aber uns letztendlich doch in der Hand haben - sich ihre Worte zu Herzen nehmen und, wenn viele es sicherlich auch niemals zugeben würden, zumindest nachdenklich gestimmt werden. Es fehlt in der Tat an Leuten, die ihre Meinung so offen vertreten; letztendlich sind aber leider die meisten bekannten Persönlichkeiten, die etwas bewirken könnten oder zumindest eine größere Menge zum Zuhören bekommen, zu feige dazu, ihren guten Ruf als Sänger, Schauspieler oder wie auch immer durch eigene Meinungen aufs Spiel zu setzen. Ich muss zugeben, dass auch Sie mir bis vor einigen Monaten "nur" als Sänger bekannt waren und ich positiv davon überrascht war, von ihnen eine solch engagierte Internetpräsenz vorzufinden.

Wie es Kolumnen zu verschiedenen Themen an sich haben, kann ich nicht immer in allem zustimmen - aber eine Kolumne ist ja in der Regel auch nicht dazu gedacht, blindes Kopfnicken zu ernten, sondern zum Nach- und Mitdenken zu animieren. Ich denke, dass Ihnen das gut glückt.

Zu einem aktuellen Thema, das mich derzeit im Besonderen bewegt und das, so denke ich zumindest, auch einen Ihrer Themenschwerpunkte trifft, konnte ich bisher noch nichts in Ihren Veröffentlichungen finden. Ich meine damit die Inbetriebname des weltweit ersten Teilchenbeschleunigers in der Nähe von Genf, der u. a. eine Nachstellung des sog. Urknalls möglich machen soll. Bestimmt haben auch Sie schon davon gelesen, Berichte findet man en masse, hier nur einer davon:

http://de.news.yahoo.com/afp/20080910/tsc-frankreich-schweiz-wissenschaft-phys-5fcb2b9.html

Für mich als Nicht-Wissenschaftler stellen sich dazu sowohl faktische als auch ethische Fragen: wozu ist es gut, Ereignisse, die im der Erde absolut nicht gleichzusetzenden Weltall stattfinden/stattfanden, auf der Erde zu kopieren? Warum forscht man nicht lieber - soweit beim aktuellen Stand der Technik möglich - vor Ort? Welche Gefahren bringen diese Experimente, die niemand einschätzen kann, mit sich? Und vor allem: getreu dem Motto "Schuster, bleib bei deinen Rappen": hat die Menschheit keine anderen, viel greifbareren Probleme, die mit dem Milliardeneinsatz angegangen werden können?

Nun verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin durchaus ein Mensch, der die Wichtigkeit von Fortschritt und Forschung einsieht und oft auch gutheißt; in diesem Fall will mir das aber nicht so recht gelingen.

Ich bin sicherlich nicht der einzige Mensch, den die o. g. Fragen beschäftigen und wenn Sie mögen, wer weiss, vielleicht können wir eines Tages eine Kolumne zu eben diesem Thema von Ihnen lesen. Ich würde mich sehr darüber freuen, weiss aber auch, dass Sie sicherlich viele Themen bewegen und man nicht alle davon aufgreifen kann.

Ich möchte Ihnen auf diesem Weg einfach alles Gute wünschen und Ihnen für Ihre oft harte, aber ehrliche Art danken.

Viele Grüße aus Essen,

C. Toubartz

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Eine Sammlung der Kolumnen von Christian Anders finden Sie in seinem neusten Buch "Literarischer Rebell".

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